Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS)

Begriffsbeschreibung

Als Lese- Rechtschreib- Schwäche (LRS) wird eine Teilleistungsschwäche verstanden, deren Hauptmerkmal eine ausgeprägte Beeinträchtigung der Entwicklung der Lese- und Rechtschreibfähigkeit ist, die nicht durch eine allgemeine intellektuelle Beeinträchtigung oder inadäquate schulische Betreuung erklärt werden kann. (VwV LRS- Förderung 01/08)

Mögliche Ursachen

Niemand ist schuld an LRS!

Ursachen und Ausprägungsgrad der LRS sind vielfältig und werden weiter erforscht!

Es ist eine Entwicklungsstörung, die mit der biologischen Reifung des zentralen Nervensystems zusammenhängt. Dabei unterscheidet man zwei Ursachengruppen:

  • eine familiäre Veranlagung
  • funktionelle Besonderheiten in der Gehirnentwicklung, die nicht vererbt werden, sondern vor, während oder nach der Geburt erworben werden

Nach Schätzungen sind 5- 10% aller Kinder von erheblichen Problemen beim Erwerb der Schriftsprache betroffen; Jungen zwei- bis dreimal häufiger als Mädchen.

Anzeichen im Vorschulalter

  • Keine oder sehr kurze Krabbelphase im Kleinkindalter
  • verzögerte oder gestörte Sprachentwicklung
  • Probleme der Grob- und Feinmotorik (ungeschicktes Zuknöpfen, Schleifen binden, nicht gern balanciert, häufiges Hinfallen…)
  • Wahrnehmungs- und Verarbeitungsschwierigkeiten (besonders im Bereich Hören und Sehenà häufige Mittelohrentzündungen, nicht gern gepuzzelt, Unsicherheiten beim Nachsingen von Melodien/ Merken von Reimen und Gedichten)

Auffälligkeiten im schulischen Bereich

  • Probleme beim Nachsprechen mehrsilbiger Wörter
  • Schwierigkeiten bei der Zuordnung Laut- Buchstabe
  • Unterscheidung ähnlich aussehender Buchstaben fällt schwer (m- n, F- E- L, b- d- g) und das Unterscheiden ähnlich klingender Laute (a- e- o, i- u, eu- ü- ö, m-n, s-z)
  • Auslassen, Verwechseln, Umstellen und Hinzufügen von Buchstaben und Wortteilen
  • Probleme beim Zerlegen von Wörtern in Silben
  • Wortgrenzen im Satz werden nicht erkannt
  • Einprägen der Wörter gelingt nur mühsam, viele Fehler à trotz Übung
  • Fehlerinkonstanz (ein Wort wird verschieden falsch geschrieben)
  • Zusammenziehen von Lauten zu Silben gelingt schwer (m, aà ma, am)
  • Langsames, stockendes Lesen
  • Startschwierigkeiten beim Lesen; verlieren der Lesezeile
  • Kein/ geringes Leseverständnis, Inhalt des Textes wird nicht erfasst
  • Unsaubere Schrift, verkrampfte Schreibhaltung
  • Fehlende Orientierung auf der Heft- oder Buchseite, am Arbeitsplatz
  • Gehäuft Kopfschmerzen (möglicher Hinweis auf Probleme der Hör- und Sehverarbeitung oder Probleme im Hals- und Nackenbereichà KISS- Kinder)
  • Entwicklung von Lustlosigkeit und Schulangst im Laufe der Schulzeit

Nicht für jedes Kind müssen alle Anzeichen zutreffen!

Möglichkeiten der Hilfe im Grundschulbereich

  • Schuldzuweisungen vermeiden („Du gibst dir nicht genug Mühe!“ „Du passt nicht gut genug auf!“)
  • Verständnis und Geduld zeigen, Motivation geben, Selbstbewusstsein stärken, Erfolgserlebnisse schaffen
  • In allen 2. Klassen werden zur Sichtung Bilderlisten und Übungen geschrieben
  • Schüler der 2. Klassenstufe werden vom 21.- 25.03.2022, mit Einverständnis der Eltern, von ihrer Schule an uns zur Teilnahme am LRS- Feststellungsverfahren gemeldet
  • An der Heimatgrundschule erfolgt eine Leistungsdiagnostik (meist von den Beratungslehrern)
  • Der Klassenlehrer führt Elterngespräche und erarbeitet bis Anfang April eine Dokumentation über den gemeldeten Schüler als Zuarbeit für das LRS- Diagnostikteam, die auch mit den Eltern besprochen und von ihnen unterschrieben wird
  • Mitte April erhalten die Eltern der gemeldeten Schüler von unserer Schule eine Einladung zum LRS- Feststellungsverfahren
  • Ab dem 02.05.2022 findet die eintägige LRS- Diagnostik an unserer Schule statt
  • Eltern geben am Diagnostiktag ihrem Kind einen ausgefüllten Anamnesebogen (liegt der Einladung bei) mit wichtigen Informationen zu ihrem Kind mit, die Zeugnismappe sowie Gutachten, die hilfreich für eine Entscheidungsfindung sein können
  • Zum Diagnostikteam gehören LRS- Lehrer, Schulpsychologe, Sprachheilpädagoge
  • Am Diagnostiktag ermittelt das LRS- Diagnostikteam an der LRS- Stützpunktschule:
  • die intellektuelle Befähigung des Schülers
  • Leistungen in Lesen, Rechtschreiben sowie den sprachlichen Status (bei Bedarf)
  • Beobachtungen zu Arbeitsweise, Motivation, Konzentration und Ausdauer, Sozialverhalten
  • Die Erziehungsberechtigten werden in der Zeit vom 13.-16.06.2022 vom Landesamt für Schule und Bildung in Zwickau über das Ergebnis des

LRS- Feststellungsverfahrens schriftlich informiert

  • Der Wunsch nach Beschulung in einer LRS- Klasse muss von den Eltern bis spätestens 29.06.20222 dem Landesamt für Schule und Bildung in Zwickau in einem Rückmeldeformular schriftlich zugesandt werden
  • Gegen Ende des Schuljahres erhalten die betreffenden Eltern von unserer Schule die Aufnahmebescheide und Einladungen zum Elternabend am 13.07.2022

Lernen in einer LRS- Klasse

  • Bis zu 16 Kinder lernen in einer Klasse
  • Der Lernstoff der Klassenstufe 3 wird über zwei Schuljahre (Kl.3/I, Kl. 3/II) gedehnt vermittelt
  • Wir unterrichten mit speziellen, auf die Problematik der Kinder abgestimmten Lehrmethoden
  • Schaffung von Erfolgserlebnissen steht im Mittelpunkt
  • Es gibt zusätzliche Förderstunden für das Üben in kleinen Gruppen

Nach dem zweijährigen Besuch der LRS- Klasse kehren die Kinder in der Regel in die 4. Klassenstufe ihrer Heimatgrundschule zurück. Mit verbesserten Lese- und Schreibfähigkeiten besitzen sie die Möglichkeit, ihre Schullaufbahn erfolgreicher fortzusetzen.

Weitere Informationsmöglichkeiten

  • Verwaltungsvorschrift des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus zur Förderung von Schülern mit Lese- Rechtschreib- Schwäche (06/2006; geändert 01/2008)
  • Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie